Stand 21.04.2016

dr-moench.net - Gastroenterologie

Refluxösophagitis

Prävalenz der Refluxkrankheit: ~5%

Prävalenz der Refluxösophagitis: ~2%

Primäre Refluxkrankheit: Fehlfunktion des unteren Ösophagussphinkter mit vermehrtem gastroösophagealem Reflux

Sekundäre Refluxkrankheit: Organische Veränderungen des oberen Gastrointestinaltrakts bedingen einen vermehrten gastroösophagealen Reflux.

Ursachen einer sekundären Refluxkrankheit:

  • Gravidität (reduzierter Sphinktertonus durch Änderungen in den Hormonspiegeln und erhöhten intraabdominellen Druck)
  • Gastroparese, Magenausgangsstenose, Ileus, Magensonde
  • neuromuskuläre Erkrankungen, geistige Behinderung
  • Zollinger-Ellison-Syndrom
  • Mixed connective tissue disease

Diagnostik:

  • Endoskopie (Frage Ösophagitis)
  • Biopsien, endoskopisch (Barrett, Dysplasien?)
  • 24-h-pH-Metrie

Einteilung der Refluxösophagitis:
Nicht erosive Refluxkrankheit (NERD) und erosive Refluxkrankheit (ERD, Synonym: GERD)

Beurteilung nach Schleimhautschädern: Savary-Miller (1 bis 3)
                                                                Los Angeles (A bis D)
Detaillierte Beschreibung:                       MUSE (Metaplasie – Ulzeration –Striktur – Erosion)

Therapie der Wahl:
Protonenpumpeninhibitor (PPI)
NERD: Antazida - nur bei sporadisch auftretenden Beschwerden, mehrmals täglich über längeren Zeitraum nicht sinnvoll !
           Prokinetika: hierzu liegen nicht ausreichend Studien vor.
           H2-Rezeptorantagonisten sind schwach wirksam, aussagekräftige Studien liegen kaum vor
           PPI sind deutlich wirksamer, gut durch Studien belegt, sind H2-Blockern überlegen;
                 initial ein- bis zweimal pro Tag und anschließend on demand
GERD:  H2-Blocker in der Erstbehandlung nicht empfohlen, weil sie in der Standarddosierung bei nur etwa 50 %
                Beschwerdefreiheit führen.
           Antazida, Protektiva (z. B. Sucralfat, Alginsure) und Prokinetika werden als Monotherapie nicht empfohlen
          PPI: Step down Konzept und anschließend on demand
Allgemeinmaßnahmen:
Die Erhöhung des Kopfendes des Bettes kann für Patienten mit nächtlichen Refluxsymptomen empfohlen werden, m. E. auch bei Kehlkopfentzündungen oder Zahnschmelzdefekten.
Für den Verzicht von Spätmahlzeiten gibt es unterstützende Evidenz aus Studien.
Die Wirkung bzw. Wirksamkeit anderer Maßnahmen (Rauchstopp, Reduktion des Alkoholkonsums, Verzicht auf Schokolade, Kaffee, scharfe Speisen, Zitrusfrüchte, fette Speisen, kohlensäurehaltige Getränke) nicht belegt. Jedoch ist belegt, dass bereits kleine Mengen Alkohol die Spannung der Muskulatur herabsetzt. Daher kommt die Empfehlung in den letzten 2 Std. vor dem Schlafengehen auf Alkohol zu verzichten.
Schlafentzug (≤ 3 Stunden Nachtschlaf) erhöht die Sensitivität der Ösophagusschleimhaut für Säure deutlich erhöht.

Barrett-Syndrom (=Endobrachyösophagus): Zylinderepithelmetaplasie im distalen Ösophagus. In diesen Bereichen Risiko eines Adenokarzinoms bis zum 50fachen erhöht !
Long-Segment-Barrett (> 3 cm), Short-Segment-Barrett (< 3 cm)

Überwachung bei Barrett-Syndrom:
Keine intraepitheliale Neoplasie (IEN) vorhanden:
Long-Segment-Barrett: nach zwei negativen Kontrollen im 1. Jahr weitere Kontrollen alle drei Jahre
Short-Segment-Barrett: nach zwei negativen Kontrollen im 1. Jahr weitere Kontrollen alle vier Jahre

Geringgradige intraepitheliale Neoplasie:
Es erfolgen Kontrollen im Abstand von sechs Monaten (2-mal), dann jährlich. Bei  Nachweis von geringgradigen intraepithelialen Neoplasien sollte eine endoskopische Resektion oder Radiofrequenzablation dieser Läsionen angestrebt werden.

Hochgradige intraepitheliale Neoplasie:
Bei sichtbarer Läsion/en erfolgt die endoskopische Resektion oder die Operation.