Stand 21.04.2016

dr-moench.net - Gastroenterologie

Infektionen

A) Bakterien

1. Toxinvermittelnde Errger:

  1. enteropathogene E. coli: Inkubation 36 Stunden, selbstlimitierend
  2. enterotoxin-bildende E. coli: Inkubation 1-3 Tage, Reisediarrhoe
  3. Staphylokokken: Inkubation 2-6 Stunden, Lebensmittelvergiftung
  4. Chlostridium perfringens A und C: Inkubation 7-15 Stunden, gehört zur physiologischen Darmflora, Sporen werden durch Kochen aktiviert!, machen auch Gasbrand
  5. Vibrio cholerae: Inkubation Stunden bis 5 Tage, TRIAS: Exsikkose, Hypovolamie, Azidose (daher foldende Klinik: Hyperventilation, Dyspnoe, Tachykardie, Hypotonie, Verschlechterung des Allgemeinzustands), in 4-12 Stunden hypovolämer Schock!!, Therapie: Volumen + Tetrazyklin oder Aminopenicillin

2. Invasive Erreger

  1. Yersinien: Inkubation 1-10 Tage, Dauer 2 Tage bis 4 Wochen, Therapie Ciprofloxacin, in 10-30% Reiter-Syndrom
  2. Campylobacter jejuni et coli: Inkubation 1-7 Tage, Therapie Ciprofloxacin, evtl. postinfektiöse Arthritis und Guillain-Barré-Syndrom
  3. Shigellen: Inkubation Stunden bis Tage, Dauer 7 Tage, evtl. postinfektiös Reiter-Syndrom und hämolytisch-urämisches Syndrom
  4. Salmonellen (ein Befall anderer Organe ist möglich):

normalen Salmonellen-Enteritis: Inkubation 6 Stunden bis 10 Tage, Diagnose per Stuhlkultur, Dauerausscheider in 0,15%.

Typhus:

  • Inkubation 1-2 Wochen.
  • In der 1. Woche: Temperaturen, Zephalgien, abdominale Schmerzen, am Ende der Woche  Splenomegalie und Roseolen
  • In der 2. Woche: Fieberkontinuum, Verschlechterung des Allgemeinzustands
  • In der 3. Woche: Bewustseinsstörung (typhus=Nebel) und erbsenbreiartige Diarrhoen
  • In der 4. Woche: Rückgang der Temperaturen und der Symptomatik
  • Diagnose: In der 1. Woche Blutkultur, ab der 2./3. Woche Stuhlkultur und Titeranstieg in der Widal-Agglutinationsreaktion
  • Therapie: Ciprofloxacin oder Aminopenicillin
  • Letalität 1%, Dauerausscheider 1-3% (hier ggf. Cholezystektomie)

 

3. Enterohämolytische E. coli bzw. verozytotoxin-bildende E. coli

  • Übertragun durch inadäquat gekochtes Kalbs- oder Rindfleisch oder nicht pasteurisierte Milch
  • Inkubation 5-8 Tage
  • verursacht in 10% d.F. ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), das 4-15 Tage nach der Diarrhoe beginnt

hämolytisch-urämischees Syndrom (HUS): Kapillarendothelschäden und abnormer Faktor VIII-Komplex mit nachfolgender Thrombozytenaggregation Vollbild: Akutes Nierenversagen, hämolytische Anämie, thrombotische-thrombozytopenische Purpura, Blutungen und Zirkulationsstörungen.

4. pseudomembranöse Kolitis

  • Überwuchern der Darmflora nach oder unter antibiotische Therapie durch Clostridium difficile, bildet Toxin A und B; C. d. ist kein Keim der physiologischen Flora
  • der Mensch ist das Reservoir, eine Übertragung ist möglich !
  • Inkubation Stunden bis 10 Tage nach Antibiose
  • cremfarbige, 2-8 mm große, teils konfluierende Plaques oder Psudomembranen vorwiegend im Rektum und Sigma lokalisiert, aber auch ausschließlich im rechten Kolon möglich
  • Therapie: Absetzen der Antibiose, keine Antidiarrhoika, Hygienemaßnahmen (ggf. Isolation), Vancomycin 4x250 mg oral mindestens 3 Tage über das Sistieren der Diarrhoen hinaus (alternativ Metronidazol 4x250 mg p.o.; es wird jedoch überwiegend vor dem Erreichen des Kolons bereits resorbiert).

B) Viren

1. Noro-Viren: Inkubationszeit Tage, Dauer Tage, Therapie: Hydrierung
2. Rotaviren: Inkubation 1-3 Tage, Dauer 2-10 Tage, Therapie Hydrierung
3.. Parvovirusähnliche Viren: Dauer 1-2 Tage, Therapie Hydrierung.

C) Parasiten

a) ausschließliche Darbesiedlung

1. Madenwurm (Enterobius vermucularis) [Oxyuriasis]
Rundwurm, lebt im Dickdarm, Eiablage perianal, fäkal-orale Übertragung. Klinik: Pruritus ani. Diagnose: Würmer (w: 8-13 mm, m: 2-5 mm) bzw. Eier im Abklatschpraparat. Therapie Pyrantelembonat, Mebendazol.

2. Peitschenwurm (Trichuris trichuria) [Trichuriasis]
lebt im Dickdarm, ca. 4 cm groß, fäkal-orale Übertragung. Klinik: Nausea, Emesis, Bauchschmerzen, Diarrhoe. Diagnose: nach 8 Wochen Eier im Stuhl. Therapie: Niclosamid, Mebendazol.

3. Rinderbandwurm (Taenia saginata) [Zestoden]
lebt im proximalen Dünndarm, Zwischenwirt ist das Rind, Übertragung durch ungenügent gekochtes, finnenhaltiges Fleisch. Klinik: Völlegefühl, Nausea, Bauchschmerzen. Diagnose: Proglottiden (20x10 mm) oder Eier im Stuhl. Therapie: Niclosamid, Praziquantel. Auf Kopfabgang achten (1-2 mm groß, 4 Saugnäpfe).

4. Fischbandwurm (Diphyllobotrium latum) [Zestoden]
Übertragung durch unzureichend gekochten Fisch und Kaviar. Klinik: keine, evtl. Vitamin B12-Mangel. Diagnose: Proglottiden (12x4 mm) oder Eier im Stuhl). Therapie: Niclosamid, Praziquantel. Auf Kopfabgang achten (3 mm groß, 2 Saugnäpfe).

5. Zwergbandwurm (Hymenolepis nana) [Zestoden]
lebt im Dünndarm. Wirt ist der Mensch. Übertragung fäkal-oral. Klinik: Nausea, Bauchschmerzen, Diarrhoe. Diagnose: Eier im Stuhl. Therapie: Praziquantel.

6. Giadia lamblia [Lambliasis]
lebt im oberen Dünndarm. Übertragung fäkal-oral, seltener durch kontaminierte Lebensmittel. nur in 30-65% den Inkorporation kommt es zur Besiedlung des Dünndarms, davon ca. 1/3 symptomlos + selbstlimitierend. Klinik: Diarrhoe phne Blut oder Schleim, Flatulenz, Nausea, Krämpfe, evlt. Malabsorption. Diagnose: vegetative Form (Trophozoiten) in Duodenalsaft oder Duodenumbiopsie und frischem, flüssigen Stuhl (Zysten und Gardiaantigen in breiigem oder geformtem Stuhl). Therapie: Metronidalzol, Tinidazol.

b) mit obligater Lungenpassage

i. Hakenwürmer (Ancylostoma duodenale, Necator americanus) [Ancylostomiasis]
lebt im oberen Dünndarm. Übertragung durch 1. perkutane Larveninvasion, via Blutbahn zur Lunge und per Pharynx zum Duodenum. Larven können in Skelettmuskulatur ohne Reifung überleben und so eine Reinfektion trotz Erregerelemination bewirken. Übertragung 2. durch ungekochtes Fleisch und 3. durch Muttermilch! Klinik: Dermatitis, evtl. Pneumonie (bei Lungenpassage), Blutungsanämie. Diagnose: Eier im Stuhl ca. 5 Wochen nach Infektion, Larven auf Agar. Therapie: Niclosamid, Mebendazol, Tiabendazol.

ii. Zwergfadenwurm (Strongyloides stercoralis) [Strongyloidosis]
lebt im oberen Dünndarm. Übertragung durch perkutane Larveninvasion (via Blutbahn zur Lunge und per Pharynx zum Duodenum) und Selbstinfektion durch im Darmlumen entwickelte Larven.Klinik: Dermatitis, Bronchitis, Enterokolitis, allergische Hauterscheinungen, Eosinophilie. Diagnose: Larven im Stuhl und auf Agar ca. 3 Wochen nach Infektion. Therapie: Niclosamid, Mebendazol.

iii. Spulwurm (Ascaris lumbricoides) [Ascariasis]
lebt im oberen Duodenum. Übertragung fäkal-oral mit befruchteten Eier, Larven schlüpfen im Duodenum, penetrieren die Darmwand, via Blutbahn zur Lunge und per Pharynx zum Duodenum mit definitiver Besiedlung. Klinik: “grippaler Infekt”, Bauchschmerzen, allergische Hauterscheinungen, Eosinophilie. Befall von Leber, Herz, Gehirn, Augen, Gallenblase, Pankreas sind möglich. Diagnose: Eier (ca. 8-9 Wochen nach Infektion) + Würmer im Stuhl, Larven im Sputum, Parasit im Darm. Therapie: Niclosamid, Mebendazol, Pyrantel.

c) mit fakultativ extraintestinalem Befall

1. Schweinebandwurm (Taenia solium) [Zestoden]
lebt im proximalen Dünndarm, Zwischenwirt ist das Schwein, Übertragung durch ungenügent gekochtes, finnenhaltiges Fleisch. Klinik: Völlegefühl, Nausea, Bauchschmerzen. Diagnose: Proglottiden (12x6 mm) oder Eier im Stuhl. Therapie: Niclosamid, Praziquantel. Auf Kopfabgang achten (1 mm groß, 4 Saugnäpfe und 2 Reihen Häkchen).

Zystizerkose: Mensch ist Zwischenwirt für T. solium. Übertragung fäkal-oral oder durch Selbstinfektion. Verbreitung via Blutbahn. Klinik: Jackson- oder Grand-mal-Anfälle, Verhaltens-/Wesensveränderungen, Paresen, Aphasie, Amnesie, Hydrocephalus occlusus, Meningoenzephalitis, Sehstörungen, Zephalgien. Uveitis, Iritis, Retinitis, Chorioideaatrophie. Diagnose: Exzision und Mikroskop, evtl. kalzifizierende Zystizerken radiologisch in der Muskulatur. Therapie: chirurgische Exzision, Praziquantel soll Konvulsionen günstig beeinflussen.