Stand 21.04.2016

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Gicht

Hyperurikämie und Gicht

Definition:

Eine Hyperurikämie besteht bei einer Harnsäurekonzentration von 6,2 m/dl. Eine Hyperurikämie mit Beschwerden, z.B. Podagra, nennt man Gicht.

Epidemiologie:

  • In den Wohlstandsländern ca. 20 Prozent der Männer. Bei Frauen meist postmenopausal (Versiegen der Östrogene mit urikosurischer Wirkung).
  • Das Risiko eines Gichtanfalls steigt mit der Höhe der Hyperurikämie.
  • Bei asymptomatischer Hyperurikämie liegt das Risiko einer Nephrolithiasis bei 0,2 Prozent pro Jahr und bei Gichtkranken bei 0,8 Prozent pro Jahr.

Ätiologie:

A. Primäre Gicht:

  1. Störung der tubulären Harnsäuresekretion in den Niere (ca. 99% der Patienten)
  2. über Produktion von Harnsäuren (weniger als ein Prozent der Patienten).

B. Sekundärer Hyperurikämie durch:

  1. vermehrter Harnsäurebildung (Tumoren, zytostatische Therapie, Strahlentherapie, hämolytische Anämien)
  2. verminderte reanle Harnsäureausscheidung (Nieren Erkrankungen, Laktatazidosen, Ketoazidosen (Fasten, Diabetes mellitus), Pharmaka (Saluretika)).

Prognose des akuten Gichtanfalls: Ausfällung von Uratkristallen aus übersättigter Synovialflüssigkeit. Die Uratkristalle werden phagozytiert, damit werden Entzündungsmediatoren freigesetzt und verursachen eine Kristall indizierte Synovitis.

Stadieneinteilung:

  1. Asymptomatische Hyperurikämie
  2. akute Gichtanfall
  3. interkritisches Stadium (symptomloses Intervall zwischen 2 Gichtanfällen)
  4. chronische Gicht mit Tophusbildungen und irreversiblen Gelenkveränderungen

akuter Gichtanfall:

  • Auslösende Faktoren sind Eß-oder Trinkexzesse, Streß.
  • Aus voller Gesundheit kommt es, auch nachts, zu stark schmerzhaft war Monarthritis, in 60 Prozent der Fälle des Großzehngrundgelenks. Hierbei
    Hautrötung, Überwärmung und Schwellung des betroffenen Gelenks.
  • Zusätzlich allgemeine Entzündungszeichen wie Fieber, Leukozytose und erhöhte BSG.
  • Eine Hyperurikämie ist im Gichtanfall nicht obligat.

chronische Gicht:

Uratablagerungen (Tophi):

  1. Weichteiltophi, z.B. Ohrmuschel, Großzehe, Ferse,
    Sehnenscheiden, Schleimbeutel
  2. Knochentophus (Nachweis im Röntgenbild)

Renale Manifestation bei Hyperurikämie und Gedichte:

  1. Uratnephrolithiasis
  2. Uratnephropathie
  3. selten akute Harnsäurenephropathie

Differenzialdiagnose:

  • sekundäre Hyperurikämien
  • akute Monarthrose anderer Genese
  • aktivierter Arthrose des Großzehengrundgelenks
  • Chondrocalzinose

Therapie:

1. Diät:

  1. Normalisierung des Körpergewichts
  2. ausreichende Diurese
  3. Bei Fasten und Zytostatikatherapie viel trinken, Harnsäureneutralisierung und Allopurinol
  4. Purinarme Diät
  5. Verzicht auf Alkohol

2.medikamentös:

  1. nichtsteroidale Antiphlogistika
  2. Colchicin
  3. Urikostatika
  4. Urikosurika